Gelenkprobleme – Ursachen, Behandlung, Symptome

Seit Anbeginn der Menschheit sind wir ständig in Bewegung. Obwohl der heutige Mensch sich im Vergleich zum Urzeitmensch deutlich weniger bewegt, müssen wir dennoch täglich verschiedene Aufgaben an verschiedenen Orten absolvieren. Damit dies möglich ist, hat sich der menschliche Körper über Jahrtausende hinweg stetig angepasst und verändert. Einen signifikanten Fortsprung in der evolutorischen Entwicklung des menschlichen Körpers stellt der aufrechte Gang da. 
Sämtliche Bewegungs- sowie die Halte- und Stützfunktionen wären jedoch ohne eine Vielzahl von Gelenken nicht möglich. 
Grundsätzlich sind Gelenke Verbindungen zwischen Knochen, bestehend aus Bändern, Sehnen und Knorpeln. Weiter unterscheiden wir zwischen echten und unechten Gelenken, wobei unechte Gelenke weniger beweglich sind, da sie gegensätzlich zu echten Gelenken keinen Gelenkspalt haben. Unechte Gelenke sind z. B. Bandscheiben oder das Brustbein. Echte Gelenke sind unter anderem das Knie-, das Hüft- oder das Schultergelenk. Entsprechend der Bewegungsrichtung, dem Bewegungsgrad und der Bewegungsreichweite unterscheidet man weiterhin in 5 Arten von Gelenken.

Kugelgelenk

Ein Kugelgelenk besteht aus einem runden Gelenkkopf, welcher in einer passenden Gelenkpfanne liegt. Diese Verbindung ermöglicht Bewegungen nach links und rechts, nach vorne und hinten sowie Rotationsbewegungen. Mit diesen 6 Freiheitsgraden stellen Kugelgelenke die beweglichsten im menschlichen Körper da. Ein Beispiel hierfür ist z. B. das Schultergelenk. 

Sattelgelenk

Beim Sattelgelenk ist der Gelenkkopf konkav (nach innen gewölbt) geformt. Dies ermöglicht Bewegungen nach vorne, hinten und seitwärts. Somit verfügt das Sattelgelenk über vier Bewegungsrichtungen. Das Daumengelenk ist ein solches Sattelgelenk.

Eigelenk

Das Eigelenk ähnelt auch dem Kugelgelenk. Jedoch ist der Gelenkkopf hier eiförmig. Bewegungen nach vorne, hinten und seitwärts sind möglich. Hierbei können wir an das menschliche Handgelenk denken. 

Scharniergelenk

Eine ganz andere Form hat das sogenannte Scharniergelenk. Dieses besteht aus einem walzenförmigen Gelenkkopf, der in einer passenden Gelenkpfanne liegt. Durch seine Form verfügt das Scharniergelenk lediglich über eine Bewegungsachse. Das Ellenbogengelenk und die Mittelglieder unserer Finger sind z. B. Scharniergelenke.

Drehgelenk

Zuletzt gibt es noch Drehgelenke. Der Gelenkkopf ähnelt hier der Form eines Zapfens, während die Gelenkpfanne sich wie eine Scheibe darum schließt. Das Ellenspeichengelenk ist ein Drehgelenk und lässt ebenfalls lediglich Drehbewegungen auf einer Achse zu. 

In der heutigen Welt sind Gelenkprobleme ein allgemein weit verbreitetes Problem. Hierfür gibt es diverse Gründe, von Fehlhaltungen über einen längeren Zeitraum (Bsp.: Bürojob) über krankheitsbedingte und traumatische Ursachen bis hin zum altersbedingten Verschleiß. Ebenso vielfältig wie die Ursachen und Arten von Gelenkproblemen sind entsprechend auch die Symptome. Diese stellen unter anderem eingeschränkte Bewegung, Schwellungen, Rötungen, Deformation und vor allem in den meisten Fällen Schmerzen da. Im Folgenden werden wir uns verschiedene Arten von Gelenkproblemen und mögliche Behandlungsansätze genauer ansehen.

Osteoarthrose

Die Osteoarthrose ist eine chronische Erkrankung, welche sich schädigend auf Knorpel und das Gewebe darum auswirkt. 

Ursachen
Die häufigste Ursache für eine Arthrose sind Gewebeschäden durch langjährige Überbelastung, Fehlhaltungen oder altersbedingten Verschleiß. Der Körper versucht dann, das beschädigte Gelenk zu reparieren, sodass sich die Produktion von Knorpelbestandteilen wie z. B. Collagen im Gelenk erhöht. Im Knorpel wird nun Wasser eingelagert, sodass er anschwillt und seine Oberfläche weicher wird. Während sich auf der Oberfläche des Knorpels Risse bilden, entstehen Vertiefungen am Knochen darunter, welche diesen schädigen. Bei der Regeneration von beschädigtem Gewebe kann es zu neuem Knochenwachstum kommen, was dazu führen kann, dass am Ende von Gelenken Knochenwucherungen und daher Beulen entstehen (Osteozyten). Schließlich wird die geschmeidige Oberfläche der Knorpel rau. Das Gelenk kann sich so nur eingeschränkt bewegen und die Dämpffunktion der Knorpel nimmt erheblich ab.

Symptome
Zu den Symptomen bei einer Arthrose zählen Schmerzen des betroffenen Gelenks bei Beanspruchung sowie eine gewisse Steifigkeit des Gelenks nach dem Aufstehen oder nach längerer Nichtbeanspruchung. 

Therapie
Oftmals stellen Sport oder Physiotherapie und die Einnahme von Schmerzmitteln eine geeignete Behandlung bei Osteoarthrose da. Je nach Schweregrad kommt ggf. auch eine Operation in Frage.

Neurogene Arthropathie

Bei der neurogenen Arthropathie werden Gelenke schnell fortschreitend zerstört. Betroffene spüren zunächst keine Schmerzen in den betroffenen Gelenken und schädigen diese weiter.

Ursachen
Die Ursachen für eine neurogene Arthropathie sind meist andere Erkrankungen wie z. B. Diabetes mellitus oder ein Schlaganfall, da sich diese schädigend auf Nerven auswirken. Somit werden kleinere Gelenkschäden zunächst nicht gespürt. Auch kleinere Brüche am Gelenk bleiben oftmals unbemerkt. Der Krankheitsverlauf kann sich über Jahre hinweg ziehen, bis der Schaden im Gelenk so groß ist, dass die Erkrankten darauf aufmerksam werden. Das Gelenk ist dann jedoch oftmals schon vollständig zerstört.

Symptome
Typische Symptome sind Gelenksteifheit sowie Flüssigkeitsansammlungen und Schmerzen im betroffenen Gelenk. 

Behandlung
Die Gelenkschäden bei einer neurogenen Arthropathie werden durch Röntgen festgestellt. Vorbeugend bzw. um den Verlauf zu verlangsamen, können z. B. spezielle Schuhe oder Stützschienen verordnet werden. Weitergehend wird die zugrunde liegende Nervenerkrankung behandelt und die betroffenen Gelenke werden operiert oder durch künstliche Gelenke ersetzt.

Rheumatoide Arthritis

Die rheumatoide Arthritis ist eine entzündliche Gelenkerkrankung. Hand- und Fußgelenke sind öfters betroffen. Im Verlauf werden die Gelenke durch die Entzündung fortwährend geschädigt. Dies kann bis zu einer vollständigen Zerstörung des Gelenks führen.

Ursachen
Die Ursachen für eine rheumatoide Arthritis sind unbekannt. Man geht davon aus, dass eine Autoimmunerkrankung der Grund ist. Dabei greift das Immunsystem das Gewebe, welches Gelenke auskleidet (Synovialmembran), aber auch anderes Bindegewebe wie in der Lunge oder in Blutgefäßen an.  

Symptome
Symptome können zunächst sehr leicht auftreten. Im Krankheitsverlauf können Schübe mit beschwerdefreien Intervallen auftreten. Die rheumatoide Arthritis verschlimmert sich fortlaufend. Unterschiedlich schnelle oder langsame Verläufe sind möglich. Meistens betroffen sind die Hände, Handgelenke und Finger, Fußgelenke und Zehen, aber auch die Knie, Schultern, Ellenbogen oder die Hüfte. Auch der Nacken kann betroffen sein. Dabei entsteht die Gefahr, dass das Rückenmark gequetscht wird.
Patienten fühlen sich meist schwach und abgeschlagen. Die betroffenen Gelenke schmerzen und sind öfters steif, besonders nach längerer Nichtbeanspruchung oder dem Aufstehen. Zudem können die Gelenke warm und vergrößert sein, da sie mit Flüssigkeit gefüllt sind. Eine Versteifung in einer bestimmten Haltung kann auftreten, in welcher die Gelenke verharren und Bewegungen nur erschwert möglich sind (oftmals krumme Finger).  
Weitere Symptome können Bildung von Knoten unter der Haut und Zysten sein. Auch einer Entzündung der Blutgefäße, der Lunge und des Herzbeutels sind möglich. Dies kann zu Schmerzen in der Brust und Atembeschwerden führen.

Behandlung
Verschiedene Therapieansätze wie Medikamentengabe, Physio- und/oder Ergotherapie, Anpassung der Lebensweise (Bewegung, Ernährung, Raucherentwöhnung) oder auch operative Eingriffe sind möglich.

Spondylarthritis

Spondylarthritis ist der Überbegriff verschiedener Bindegewebserkrankungen, welche eine Gelenkentzündung mit sich bringen. Die Untergruppen bilden Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew), Psoriasisarthritis und die reaktive Arthritis.

Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew)
Bei Morbus Bechterew sind die großen Gelenke, die Wirbelsäule sowie Finger und Zehen betroffen. Die Gelenke sind schmerzhaft entzündet und versteift. Männer sind dreimal häufiger betroffen als Frauen.

Ursache
Genaue Ursachen sind nicht bekannt. Vor allem genetische Disposition scheint ein entscheidender Faktor zu sein, da Menschen, in deren Familie es Fälle von Morbus Bechterew gab, häufig ebenfalls daran erkranken.
Bei einer Vielzahl der erkrankten Personen ist das HLA-B27-Gen vorhanden, was aber keine zwangsläufige Erkrankung bedeutet.

Symptome
Häufige Symptome sind Rückenschmerzen verschiedener Schweregrade, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Müdigkeit und Augenentzündungen. Rückenschmerzen sind meistens verbunden mit einer Steifigkeit, besonders morgens nach dem Aufstehen. Weiter können beschädigte Wirbel auf das Rückenmark drücken. Taubheitsgefühle sind dann eine häufige Begleiterscheinung. In seltenen Fällen können Störungen am Herz und/oder der Aorta auftreten. Auch Lungenerkrankungen wie Husten, Bluthusten können im Zusammenhang mit Morbus Bechterew vorkommen.

Behandlung
Die Behandlung beinhaltet meist verschiedene Medikamente. Darüber hinaus steht eine Linderung der Symptome, vor allem der Schmerzen sowie Bewegungstherapie, mit Fokus auf den Erhalt der Gelenkbeweglichkeit im Vordergrund. 

Psoriasisarthritis

Bei der Psoriasisarthritis sind meistens das Hüftgelenk, die Knie sowie Finger- und Zehengelenke betroffen. Aber auch die Wirbelsäule kann beteiligt sein. Eine Diagnose folgt der Bewertung der Symptome sowie Bluttests und Röntgenaufnahmen.

Symptome
Die kranken Gelenke sind krankhaft entzündet und verursachen Schmerzen. Wird die Entzündung der Gelenke chronisch, schwellen diese meist unter Rötung an und können sich ggf. verformen. Auch Sehnen und Bänder um die betroffenen Gelenke herum können sich entzünden. Oft ist eine Körperseite stärker betroffen als die andere. Eine Psoriasisarthritis ist oftmals verbunden mit dem Psoriasis-Ausschlag, welcher stärker oder schwächer vor oder nach den Gelenkbeschwerden auftreten kann.

Behandlung
Bei einer Psoriasisarthritis werden die Symptome bekämpft. Vorwiegend werden Medikamente zur Behandlung der Entzündung sowie des Ausschlags verordnet.

Reaktive Arthritis

Auch bei der reaktiven Arthritis sind die betroffenen Gelenke sowie umliegende Sehnen und Bänder entzündet. Oftmals liegt zu dem eine Infektion vor. Der Name der reaktiven Arthritis stammt daher, dass sie oftmals eine Reaktion auf eine Entzündung im Magen-Darm-Trakt oder im Genitalbereich darstellt. 

Ursache
Die Ursache ist also oftmals eine Entzündung im Verdauungstrakt oder in den Genitalien und Harnwegen. 

Symptome
Bei der reaktiven Arthritis sind betroffene Gelenke schmerzhaft entzündet, meist betrifft dies mehrere Gelenke gleichzeitig. Je nach Schweregrad sind Rückenschmerzen möglich, gerötete Augen sowie Hautausschläge, leichtes Fieber und eine allgemeine Erschöpfung können weitere Begleiterscheinungen sein. Zudem gehört die Entzündung der Harnwege und oder des Verdauungstraktes als Ursache auch zu den Symptomen. Eine Diagnose kann durch Röntgen stattfinden. Oftmals dauert die Diagnose längere Zeit, da Symptome wie z. B. Entzündungen und Ausschlag nicht unbedingt zur selben Zeit auftreten.

Behandlung
Bei der reaktiven Arthritis werden die Entzündungen, also die Eigentlichen ursachenmedikamentös behandelt. Aber auch Physiotherapie spielt eine wichtige Rolle in der Behandlung.
Gelenkprobleme müssen also je nach Art, Ursache, Symptomatik und Schweregrad auf verschiedene Weisen, medikamentös mittels Sportes, Ergo- oder Physiotherapie oder auch chirurgisch behandelt werden. Nicht immer ist eine vollständige Heilung möglich, eine Linderung der Symptome und Sicherung der Lebensqualität spielt dann eine besonders wichtige Rolle.

Mit Sicherheit für jeden zu empfehlen ist jedoch eine gesunde und bewusste Lebensweise sowie regelmäßige Sporteinheiten, welche zur Prävention von Fehlhaltungen und Gelenkbeschwerden dienen. Diese können auf allgemeine körperliche Fitness abzielen, sollten jedoch der persönlichen Situation ggf. den individuellen Beschwerden entsprechend angepasst werden. 


Quellenangaben
www.gelenke-brauchen-mehr.de/gelenke
www.schwabe.at/gelenk/.
www.gelenke-brauchen-mehr.de/gelenkschmerzen
www.msdmanuals.com/de-de/heim/knochen-,-gelenk-und-muskelerkrankungen/gelenkerkrankungen/rheumatoide-arthritis-ra